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Dass meine Jugend kein Spaziergang war, wissen die meisten von Euch mittlerweile. Und trotzdem ging es mir gut. Sogar sehr gut. Besser als vielen anderen Kindern.

Kindern, die in Haushalten aufgewachsen sind, in denen Drogen, Gewalt oder sexuelle Übergriffe zum Alltag gehörten. Kindern, die nie erfahren haben, wie sich ein sicheres Zuhause anfühlt. Kindern, die schon viel zu früh viel zu schwere Lasten tragen mussten.

Genau diese Kinder haben wir bei uns aufgenommen.

Die Initiatorin war Nicole Masson, meine Mutter. Eine Frau mit ihren eigenen Baustellen, aber mit einem Herz, mit dem sie eines Tages die ganze Welt retten wollte. Sie konnte nicht verstehen, warum manche Kinder so wenig Glück haben und unter schwierigen Bedingungen aufwachsen müssen.

Also wurde sie Pflegemutter. Und wir eine Pflegefamilie. Denn so etwas schafft man nicht allein. Die Kinder brauchen nicht nur eine zusätzliche Mutter, sondern ein sicheres Umfeld.

Also wurde jedes Kind, das wir als Familie aufgenommen haben – egal ob es nur zwei Monate oder dreizehn Jahre bei uns gelebt hat – Teil unserer Familie. Auch meine Tanten, Onkel, Omas und Opas haben jedes Pflegekind zu Geburtstagen, Weihnachten, Ostern und vielen anderen Anlässen genauso beschenkt wie die leiblichen Enkel und Neffen. Es gab keine Unterschiede.

Wer einmal bei uns angekommen war, gehörte dazu. (Shout-out an meine Familie, denn das ist übrigens einer der Gründe, warum es mir immer gut ging. Die Dewulf-Massons sind einfach toll!)

Meine Mutter, die damals den ersten Schritt gemacht hat, ist inzwischen leider verstorben. Viele der Pflegekinder sind längst erwachsen. Manche sind heute über dreißig Jahre alt.

Und trotzdem besteht der Kontakt noch immer.

Nicht zu allen, aber zu vielen von denen, die längere Zeit bei uns gelebt haben.

Dadurch habe ich fünf zusätzliche Geschwister bekommen.

Und wenn mich heute jemand fragt, wie viele Geschwister ich eigentlich habe, wird die Antwort schnell kompliziert. Irgendwann sage ich dann einfach: „Genug, um jede Familienfeier interessant zu machen.“

Deshalb war es mir ein großes Bedürfnis, ein Buch über das Thema Pflegefamilie zu schreiben.

Weil ich weiß, wie viel ein Zuhause bedeuten kann.

Wie viel ein paar offene Arme bewirken können.

Wie viel ein Kind schaffen und verkraften kann, wenn man ihm genügend Liebe gibt.

Wenn man Kindern nicht nur sagt, sondern auch zeigt, dass sie willkommen sind.

Der größte Kinderbuchverlag aus Belgien, Clavis Books, hat meine Geschichte in sein Portfolio aufgenommen, und das Buch wird im Herbst erscheinen. Dieses Mal stammen die Illustrationen von Diane Fase, einem neuen Illustrations-Talent aus Belgien.

Das Buch gibt es zwar (noch) nicht auf Deutsch. Aber die Geschichte dahinter wollte ich Euch trotzdem erzählen. 🙂

Ich bin dankbar. Ich bin stolz.

Meine Mutter hat damals nicht die Welt gerettet. Aber für einige Kinder hat sie die Welt verändert.

Und vielleicht ist das am Ende sogar dasselbe.

Ganz viel Liebe,

Tom