Zwei meiner wildesten Träume haben sich getroffen, kurz Hallo gesagt, sich umarmt – und dann gemeinsam einen Flug nach Florida gebucht. Denn als mich die wunderbaren Jungs von Delta Q fragten, ob ich bei ihnen den Bariton übernehmen möchte, musste ich exakt null Sekunden überlegen. Schon als Kind war ich A-cappella-Fan (ja, das gibt’s wirklich – wir sind eine stille, aber leidenschaftliche Minderheit), und nach Jahren im Musical als „Tenor auf Abruf“ war es eine wahre stimmliche Wellnesskur, endlich mal im eigenen Fach zu singen. 😅
Natürlich: A-cappella ist kein Selbstläufer. Das klingt nur dann magisch, wenn jede Stimme so perfekt mit der anderen verschmilzt, dass man fast vergisst, dass da echte Menschen singen und kein Hexenwerk läuft. Also: Zwei Monate Bootcamp. Jeden Tag proben, bis die Stimmbänder quietschen. Problem: Niemand von uns konnte sich leisten, zwei Monate auf Gagen zu verzichten. Lösung: Disney World! 😄
Wir bekamen die Gelegenheit, Deutschland beim Festival of the Arts in Disney World Florida zu vertreten. Siebenmal am Tag ein 17-minütiges Konzert – das sind, für alle, die Mathe lieber anderen überlassen, 119 Minuten Gesang täglich. Plus Proben. Plus Florida-Hitze. In Kostüm.
Mit fünf eingeprobten Songs im Gepäck, die wir insgesamt 210-mal singen würden (ja, ich hab mitgezählt), flogen wir also los. Voller Vorfreude, leicht übernächtigt, und mit der leisen Ahnung, dass das alles entweder genial oder komplett absurd werden würde.
Beides traf zu. 😅
Unsere Bühne war eine gigantische, begehbare Kuckucksuhr. 🙂 Eine hölzerne Hommage an den Schwarzwald, komplett mit Rädchen, Fensterläden und dem Charme einer Touri-Schnitzerei im XXL-Format. Gleich daneben: ein bayrisches Festzelt, bevölkert von Disney-Dirndln und Lederhosen.
Wobei „Dirndl“ hier eine gewisse kreative Freiheit impliziert: Die Brüste wurden nicht – wie im Original – betont, sondern eher weggedrückt. Willkommen in der jugendfreundlichen Welt von Disney.
Selbst in unseren Songs mussten wir an manchen Stellen ran – zum Beispiel, das Wort „rauchen“ musste mit dem Wort „leiden“ ersetzt werden. Ja, auch das ist Disney: Magie – aber bitte FSK 0.
Fun Fact: Unsere Garderobe teilten wir mit Schneewittchen. Nicht einem Schneewittchen – dem Schneewittchen. Diese Frau war die Meryl Streep des Märchenpersonals. Sie hatte einen Ordner dabei, dick wie ein Telefonbuch (Ja, ich komme noch aus dieser Generation 😅), voll mit Anweisungen, wie man das perfekte Schneewittchen spielt: Handhaltungen, Fußpositionen, zugelassene Sätze für Kinderinteraktionen. Wahnsinn wie professionell das Alles dort abläuft…. Ich – war – begeistert!
Doch der Unterschied zwischen dem Park und der Garderobe ist groß. Einmal hörte ich von hinten ein lautstarkes Rülpsen. Ich drehte mich um – Schneewittchen, ganz entspannt, mit Cola in der Hand und dem Gesichtsausdruck von „Ich bin durch mit den sieben Zwergen“.
Zweimal pro Woche hatten wir frei von Auftritten – theoretisch. Denn natürlich musste auch unser neues Tourprogramm BRANDNEU! geprobt werden. Unterstützt wurden wir vom ehemaligen Vocal Coach der Backstreet Boys. Weil… warum nicht? 😆
Meine Zeit bei Disney war also eine der professionellsten Erfahrungen meines Lebens. Die Disziplin, die Abläufe, der Umgang mit Publikum, die Präzision auf und hinter der Bühne: Das war kein Zuckerschlecken, sondern ein hart getaktetes Entertainment-Kraftwerk. Ich bin komplett Disneyfiziert!
Liebe für Alle
Tom
PS: Natürlich haben wir dort aus Spaß auch gejodelt. Das kam so gut an, dass wir es später in unserem Programm mit eingebaut haben 😁
Das könnt ihr hier sehen.