Skip to main content

Jeder, der schon einmal in einem meiner Comedy-Programme war, kennt sie: meine Cyber-Oma. Die Frau, die mit über 90 sämtliche CDs aus der Stadtbibliothek raubkopiert hat. Mit ihren Geschichten habe ich in meinem ersten Comedy-Jahr direkt den zweiten Platz bei der Quatsch Comedy Talentschmiede von Thomas Hermanns geholt. Ich sag mal so: Ihre Geschichten waren der Anfang meiner Comedy-Karriere und später auch meine größte Inspiration für das Buch „Erfolgreich in die Alterskriminalität“. 😅

Im Laufe der Jahre wurde die Nummer immer runder, immer persönlicher – und bekam, wann immer ich Lust hatte, einen festen Platz in meinem Soloprogramm. Sie war ein sicherer Hafen und sorgte für eine Menge sicherer Lacher.

Anfang 2025 wurde ich zu einem Kleinkunstwettbewerb eingeladen, und für mich war klar: Ich erzähle noch einmal die Oma-Geschichte.

Doch dann verstarb sie – eine Woche vorher.

Plötzlich war da nicht mehr nur eine Pointe, sondern eine Lücke. In den nächsten Tagen fragte ich mich immer wieder:
Kann ich ihre Geschichte erzählen, ohne dass mir die Stimme kippt?
Und was ist mit dem Oma-Lied? Diese Ballade, die ich für sie geschrieben habe – mit Humor, ja. Aber auch mit ein paar Stellen, bei denen manche Menschen plötzlich „was im Auge haben“.

Ich war hin- und hergerissen. Also betrat ich die Bühne ohne festen Plan.
„Ich schaue einfach, wonach mir ist, wenn ich dran bin“, dachte ich.

Das Publikum war gut drauf. Ich auch. Und ich merkte: Sie hätte gewollt, dass ich es mache. Also erzählte ich ihre Geschichte – noch einmal.

Der Saal tobte. Beim Lied floss mir ein kleines Tränchen aus dem Auge. Vielleicht auch zwei. Als am Ende des Abends die Entscheidung verkündet wurde, war ich überraschend ruhig. Ich war einfach nur dankbar, dass ich sie noch einmal ehren durfte.

Und dann wurde mein Name genannt und bekam ich den Publikumspreis: den Herborner Schlumpeweck, dotiert mit 2.500 Euro. Bevor ich es richtig realisieren konnte, drückte man mir symbolisch einen schweren Bronze-Stein in die Hand. Ich bedankte mich und musste tatsächlich noch ein weiteres Tränchen unterdrücken.

Doch damit nicht genug: Der Moderator kündigte noch einen Zusatzpreis an – den Herborner KuSch Push. Einen zusätzlichen Förderpreis der Kulturscheune, dotiert mit 1.500 Euro.

Erneut erklang mein Name und plötzlich stand ich da – mit zwei schweren Bronze-Steinen. Einen in jeder Hand.
Mein erster Gedanke: „Wow. Ich sollte dringend mal wieder Sport machen.“

Ich bedankte mich beim Publikum, bei der Jury und bei meinen Mitbewerbern. Danach schaute ich kurz nach oben, zwinkerte Oma zu und dachte:

„Das ist für dich, Omilein. Das war richtig gute Teamarbeit!
Du ganz oben in den Sternen und ich hier unten mit den Steinen.“

In Liebe,

Dein Enkelsohn…