„Was mit einer verrückten Idee anfängt, wird meistens gut“, sagte meine Urgroßmutter immer.
Deswegen habe ich keinen einzigen Moment gezweifelt, als zwei meiner besten Freunde meinten, es wäre doch schön, nochmal gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Früher waren wir alle drei Sänger im Showensemble der AIDA-Flotte und schwelgten nostalgisch in alten Zeiten.
Allerdings sind wir inzwischen 20 Jahre älter – und tanzen natürlich nicht mehr ganz so wie früher.
„Dafür haben wir mehr Erfahrung!“, hob Maria bedeutungsvoll den Finger.
Ihr Arm knackte dabei kurz.
Nachdem wir unseren Lachanfall überwunden hatten, sagte der 53-jährige Sandro aus Italien:
„Nein, aber im Ernst – ich muss wirklich auf meinen Rücken aufpassen. Ich habe schon den dritten Bandscheibenverfall.“
Ich wollte ihn korrigieren und sagen, dass es Bandscheibenvorfall heißt. Aber wenn ich ehrlich bin, klang seine Version auch ziemlich zutreffend.
Und ich?
Nun ja. Ich habe mir vor drei Jahren bei einem gewaltigen Sturz jeden einzelnen Knochen in Fuß und Bein gebrochen.
(Offiziell war es ein dramatischer Unfall. Inoffiziell bin ich einfach beim Gassigehen blöd ausgerutscht. Aber ich arbeite noch an einer heldenhafteren Version der Geschichte.)
„Wollen wir das zu dritt machen?“, fragte Maria.
„Nein“, sagte ich sofort.
Ich kenne da eine großartige Sängerin, die gerade ein neues Nackenkissen gekauft hat und jetzt nach 3,5 Jahren zum ersten Mal ihren Kopf wieder bewegen kann. Es wäre mir eine Ehre, sie in unser leicht gebrechliches Grüppchen aufzunehmen.
Und mal ehrlich: Wer braucht waghalsige Tanznummern, wenn man solche Stimmen hat?
Maria ist Frontsängerin ihrer eigenen Band „Me and Maria“, Sandro einer der erfolgreichsten Gesangscoaches in Hamburg und Annette singt gerade die Sally Bowles aus „Cabaret“.
Und ich … nun ja … ich würde behaupten, dass ich mit meinen Comedy-Einlagen zumindest für zusätzliche Kalorienverbrennung durch Lachen sorge.
Gesagt, getan. Ich plante eine fantastische Show mit den Kassenschlager-Songs der bekanntesten Musicals und sorgte für lustige Moderationen. Und weil ich das Stepptanzen so liebe, gibt es natürlich auch eine Nummer aus „Singin’ in the Rain“.
Zusätzlich holen wir uns noch einen jungen Hüpfer, der die „akrobatischen“ Sachen übernimmt, damit es nicht auffällt, dass wir nach jeder Nummer heimlich nach einem Sauerstoffzelt fragen.
Was will man mehr?
Ein Jahr lang haben wir uns auf diese Show vorbereitet – und ich kann mit großem Stolz sagen:
Das. War. Geil.
Die Premiere fand im wunderschönen Erfurter Kaisersaal statt, und natürlich haben wir tolle Filmaufnahmen gemacht. Hier könnt ihr in den Trailer reinschauen.
Aber am schönsten ist es natürlich live.
Denn ganz ehrlich:
Unsere Knochen knacken vielleicht.
Unsere Rücken melden sich gelegentlich.
Aber unsere Stimmen?
Die sitzen.
Und falls doch mal etwas quietscht – sagen wir einfach, das gehört zur Orchestrierung.
Euer Tom
PS: Die nächsten Termine:
24.04.26 in Arnstadt
02.12.26 in Erfurt
09.01.27 in Erfurt